"Lügenpresse", "Man wird doch noch seine eigene Meinung sagen dürfen" oder "Kritische Meinungen sind gar nicht gefragt". Nicht immer kommt Rechtspopulismus so platt daher, wie etwa bei den Thesen von Thilo Sarazzin, dass Deutschland sich selbst abschaffe, weil minderbemittelte Menschen und/oder Islamgläubige sich schneller fortpflanzen würden. Das andere Extrem äußert sich in zum Teil sehr abstrusen ideologischen Anschauungen, die eine Weltverschwörung nahe legen, wie beispielsweise die Diskussion um Chemtrails.

Rechtspopulisten vermischen radikale Positionen der politischen Rechten mit einem Bekenntnis zur Demokratie und der deutschen Nation. Auf diese Weise wird versucht der Hetze gegen Einwanderer, Andersdenkende etc. einen verfassungskonformen und demokratischen Anstrich zu geben. Die Einstellung dahinter heisst allerdings weiterhin Rassismus.

Gerade die weit verbreitete Überzeugung, dass man aufgrund irgendeiner politischen Machtelite ("Die" und "Wir" als Entgegensetzung) seine Meinung nicht frei sagen dürfe, ist ein zentraler Indikator für die Empfänglichkeit rechtspopulistischer Parolen. Die eigene Gruppenidentität wird bedroht von einer äusseren Gefahr, die dann eben wahlweise aus Islamischen, Jüdischen oder auch linken Kreisen herrührt. Rechtspopulistische Parolen sind mittlerweile weit verbreitet und durchziehen die Gesellschaft bis in die sogenannte Mitte. Oft wähnen sich Anhänger rechtspopulistischer Parolen in dem Glauben, die "schweigende Mehrheit" zu vertreten, deren Interessen die etablierten Parteien missachten. Sie reichen dabei nicht nur bis weit in die Gesellschaft hinein, sondern sie finden auch vielfältigsten Ausdruck im Internet und über die Sozialen Netzwerke. Hier wären an erster Stelle vor allem Online-Kommentare auf Presseseiten oder in den Sozialen Netzwerken, die auf solche Thesen verweisen, zu nennen.

Will man sich kritisch mit den dahinterliegenden Vorurteilen, Ängsten oder auch schlicht der Uninformiertheit angesichts einer komplexen Welt auseinandersetzen, so ist das aus mehreren Gründen schwierig, manchmal auch unmöglich.

  • Das erste Problem dürfte dabei sein, dass es hier zu einem Gruppeneffekt kommt, bei dem sich diejenigen miteinander austauschen, die über diese Parolen glauben, gleicher Meinung zu sein und dieser Meinung am besten Ausdruck verleihen zu können.

  • Das zweite Problem ist, das diese Parolen oftmals einer notwendigen Komplexitätsreduktion dienen, die es dem Betroffenen ermöglicht, in irgend einer Art und Weise die Welt noch zu verstehen. Dieser vorgebliche Sinngehalt wäre auf der anderen Seite eine der ersten Möglichkeiten, dagegen zu argumentieren.

  • Das dritte Problem, und an dieser Stelle nicht zu unterschätzen, ist, dass die Parolen zwar grundsätzlich dazu einladen ins Gespräch zu kommen, es aber zunächst nicht um eine Auseinandersetzung auf der Sachebene gehen darf, weil diese nicht den Beweggrund darstellt.

Dieses spezielle Problem, dass die Sachebene nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist nicht nur kommunikationstheoretisch gut begründbar, sondern für uns eine der wichtigsten Stützen unseres geplanten Projekts. Wir etablieren ein Netzwerk und vor allem einem Trainer*innen-Pool gegen Rechtspopulismus, der Strategien und Argumente aufgreift und weiterentwickeln soll.

 

(Teile dieses Artikels wurden https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspopulismus entnommen)